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Generalanzeiger, 26. Mai 2010


Annäherung an ein großes Vorbild - Das Hagerhof-Festival präsentiert Stücke von Johannes Brahms und Zeitgenössisches
Von Mathias Nofze


Seit 1996 dreht sich an Pfingsten im Schloss Hagerhof alles um Johannes Brahms und sein Umfeld. In diesem Jahr ging das "Hagerhof-Festival", ins Leben gerufen vom Bariton Ulrich Schütte, einen Schritt weiter. Zeitgenössische Musik und sogar eine Uraufführung hatte man aufs Programm gesetzt.

Auch damit kann man sich auf das Vorbild Brahms berufen, führte der doch Pfingsten 1886 im Hagerhof, damals im Besitz der Familie Weyermann, seine "Vier ernsten Gesänge" erstmals auf. "Und Eurydike dreht sich um" heißt ein Gedichtzyklus der in Rolandswerth lebenden Lyrikerin Irena Wachendorff, aus dem der Komponist Konrad Lang zwölf auswählte und vertonte. Auf dem Hagerhof erlebte das Werk nun seine Uraufführung. Wachendorffs Gedichte sind knapp und prägnant in ihren Formulierungen, häufig antithetisch angelegt. Eurydike 2 etwa: "Im Klang ist das Verlocken, nicht Halten. Haltlos nimmt der Tod, was wir verlassen". Sie bieten aber auch Raum für Ironie. Da paart sich eine Lüge mit einer anderen.

Ergebnis: die subjektive Wahrheit. Dann paaren sich zwei subjektive Wahrheiten. Und nun wickeln die stolzen Eltern "die objektive Lüge". Lang setzte die zugespitzten Texte in Musik für Mezzo-Sopran, Bariton, Viola und Klavier, die eine Vielzahl von Assoziationsmöglichkeiten Anspielungen auf Opernduette über kanonische Imitation, Zwölftonreihen bis hin zu einer strengen, fünfstimmigen Fuge mit dem vielsagenden Text "Zu viele Richter sind unter uns."

Gerhild Rombergers berückend intensiver Mezzo, Bariton Ulrich Schüttes schmiegsamer Bariton (wiewohl etwas indisponiert), Diemut Poppens warm tönendes Viola- und Sofiya Kagans kluges Klavierspiel fügten sich sehr harmonisch ineinander.

Gerhild Rombergers Gestaltungskraft konnte man außerdem noch in Gesängen von Brahms bewundern, darunter die zwei Lieder op. 91 für Alt, Viola und Klavier. Die Riege ausgezeichneter Interpreten wurde ergänzt durch die Cellistin Katharina Deserno und den Pianisten Nenad Lecic.

Dem Publikum bot man in insgesamt vier Konzerten noch Kammermusik von Schumann, Lieder von Brahms und Schumann sowie mit Liedzyklen von Martin Christoph Redel ("Erträumt" auf Texte von Irena Wachendorff und "Was es ist" auf Texte von Erich Fried) noch mehr Zeitgenössisches. Und der Vorstand des Vereins Hagerhof-Konzerte schmiedet schon neue Pläne. Angedacht sind Workshops auf dem Hagerhof.

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