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Generalanzeiger, 15. Juni 2011


Das Geheimnis liegt in der Wiederholung
Wie jedes Jahr: Die Vier Ernsten Gesänge von Brahms beim Pfingstkonzert auf dem Hagerhof
Von Guido Krawinkel


Sie sind so etwas wie ein roter Faden für die Pfingstkonzerte auf dem Hagerhof: die Vier Ernsten Gesänge von Johannes Brahms. 1896 wurden die vier Lieder zum ersten Mal in dem ausgesprochen idyllischen Rahmen des inmitten eines großen Waldes gelegenen Anwesens aufgeführt, seitdem sind sie mit dessen Geschichte untrennbar verbunden. Auch in diesem Jahr stand der nach Bibeltexten komponierte Zyklus wieder auf dem Programm der Pfingstkonzerte, die 1996, dem Jubiläumsjahr der Uraufführung, von dem Sänger Ulrich Schütte, ins Leben gerufen wurden.

Die beständige Wiederkehr von ein- und demselben Werk ist hier auf dem Hagerhof nicht etwa einem Mangel an Fantasie bei der Programmplanung geschuldet, nein, die sich wiederholende Konfrontation mit diesen wahrhaft ernsten und schweren Stücken lenkt den Blick immer auf neue Details. Besonders in diesem Jahr, da es tatsächlich eine neuerliche „Uraufführung“ dieses Zyklus gab, dieses Mal in einer Fassung für Bassbariton und acht Instrumente, für deren Einrichtung Hans Winking verantwortlich zeichnete.

Tags darauf widmete sich „Hausherr“ Ulrich Schütte aber auch noch mal dem Original, und zwar in einer Ernsthaftigkeit und Intensität, die deutlich machte, dass ihm bei der Beschäftigung mit diesen Liedern auch nach all den Jahren noch nicht langweilig geworden ist. Insbesondere die zutiefst trostlose, bedrückende Atmosphäre in den ersten Liedern war es, die – gepaart mit einer sehr klaren sprachlichen Diktion – Schütte mit seiner nie manierten oder überfrachtet klingenden Stimme am gelungensten traf. Aber auch bei Umschwung im vierten Lied traf Schütte, der von der Pianistin Aiona Padrón begleitet wurde, nicht nur im wörtlichen Sinne den richtigen Ton. Den trafen zweifelsohne auch das Vokalquintett Vocanima und die wieder in jeder Hinsicht souverän begleitende Pianistin Aiona Padrón. Das Vokalquintett machte seine Sache phänomenal gut. Mit einem „Gebet“ von Franz Schubert (D 815) und den Liebeslied-Walzern von Brahms, die von Aiona Padrón und Christoph Schnackertz begleitet wurden, zeigten Alice Fouccroulle, Elvira Bill, Michael Mogl und Thomas Schütz, dass sie nicht nur ausgesprochen schöne Einzelstimmen haben, sondern dass auch ihr Ensembleklang sehr homogen und differenziert ist.

Tags zuvor war das Thomas-Christian-Ensemble zu Gast, zum einen mit besagter Überarbeitung der Vier Ernsten Gesänge, und Schubert F-Dur-Oktett (D 803), aber auch mit den Variationen op. 35a von Anton Arenskij sowie zwei Walzern und dem G-Dur-Quintett von Antonin Dvorak. Abgesehen von kleineren Intonationstrübungen überzeugte man hier durch ein insgesamt sehr musikantisches und dichtes Spiel. Vor allem bei Arenskijs farbigen Variationen verstand man es meisterhaft, den populären Charakter dieser Musik ins rechte Licht zu setzen.

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