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Konzertkritik Generalanzeiger, Mai 2009


Dreizehn Monate und eine Entdeckung - Liederzyklus und Hommage an Mendelssohn bei den Pfingstkonzerten auf Schloss Hagerhof
Von Fritz Herzog


Sie musikalisch zweimal durch das Jahr zu geleiten, hatte der Bariton Ulrich Schütte den Gästen seiner Pfingstkonzerte auf Schloss Hagerhof bei Bad Honnef versprochen. Hierfür konnte er - neben einem selbst zusammengestellten „klassischen Zyklus" aus zwölf Liedern von Schubert, Schumann und Brahms über Siegfried Wagner und Korngold bis hin zu Zeit- genössischem von Hans Wiltber-ger und Erwin W. Meier eine interessante Ausgrabung präsentieren: Edmund Nick (1891-1974), ist als Komponist unter anderem mit Liedern, Chansons und Filmmusiken hervorgetreten.

Als enger Freund Erich Kästners hat er dessen 1955 für eine Illustrierte entstandenen satirischen Gedichtzyklus "Die dreizehn Monate" kurz vor seinem Tode noch vertont, in einem Stil, der sich - neben romantischen Anleihen(beispielsweise bei Chopin) - vor allem des klangsprachlichen Ausdrucks der Klassischen Moderne bedient. Das Changieren zwischen Kunstlied und Chanson, zwischen Neutönendem und Couplet mit immer wieder lautmalenden Passagen, es kommentiert weniger als dass es den Text unterstreicht.

Ulrich Schütte ist diesem Liederzyklus ein überzeugender Interpret, zum einen, weil ihm mit dem Autograf aus dem Nachlass Nicks authentisches Material zur Verfügung steht, zum anderen, weil er es versteht, die Möglichkeiten seiner Stimme nahezu ideal für dieses Genre zu nutzen. Ein ganz eigenes Timbre zeichnet den Sänger aus, der, noch Schüler Josef Metternichs, über eine kernige Tiefe verfügt, ab der Mittellage aber - ähnlich seinem Kollegen Fi-scher-Dieskau - zunehmend fahlere Farben ausprägt. Jürgen Glauss ist ihm ein umsichtiger Begleiter am Klavier.

Das Nachmittagskonzert stand ganz im Zeichen des 200. Geburtstags von Felix Mendelssohn. Juli-an Arp, Violoncello, und Caspar Frantz, Klavier, waren mit einer hochmusikalischen Interpretation beider Cello-Sonaten (B-Dur op. 45 und D-Dur op. 58) zu erleben, ergänzt um die Variationes con-certantes op. 17, ein "Albumblatt" und das "Lied ohne Worte" D-Dur op. 109. Kenntnisreiches zum Thema "Mendelssohn am Rhein" trug Manfred Osten bei.

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